Engagement gegen Menschenhandel in Entwicklungsländern

Die EU-Kommission hat 10 Mio. Euro in Aussicht gestellt; mithilfe des Internationalen Roten Kreuzes soll betroffenen Familien und zivilgesellschaftlichen Organisationen geholfen werden.

Die einen sagen, es sei ein Tropfen auf den heißen Stein, die anderen argumentieren: „Problem endlich erkannt – besser als gar nichts“. Die unterschiedlichen Auffassungen beziehen sich auf ein neues Projekt der EU gegen Menschenhandel in Entwicklungsländern. Dafür hat nunmehr die Kommission zehn Millionen Euro in Aussicht gestellt, die mit Hilfe des Internationalen Roten Kreuzes direkt an Familien und so genannte zivilgesellschaftliche Organisationen in den am stärksten betroffenen Ländern gehen sollen. Mit dem Geld, so sind die Vorstellungen, erhalten die Opfer je nach Bedarf Zugang zu Gesundheitsversorgung, Rechtsbeistand und Wiedereingliederungshilfe.

Das Projekt richtet sich an die Adresse von Zwangsarbeitern, die in den verschiedensten Ländern etwa in der Hausarbeit ausgebeutet werden – und an die Opfer von Menschenhändlern. Dazu EU-Entwicklungskommissar Andris Piebalgs: „Das Projekt ist ein neuartiger Ansatz, der sich sauf Migration innerhalb der Entwicklungsländer konzentriert. Er dokumentiert die feste Absicht der EU, gegen Menschenhandel und Zwangsarbeit vorzugehen“. Es gehe dabei „um die Würde von Migranten“. Die EU-Hilfe kommt unter anderem in Äthiopien, im Libanon, in lateinamerikanischen Ländern wie Honduras, Ecuador sowie Staaten in Vorderasien wie Kasachstan und Tadschikistan und Fernost mit Indonesien und Thailand zum Einsatz.

Eigentlich klingt dies ja nach einem Relikt aus vergangenen Tagen. Aber alle Untersuchungen – zuvorderst der Internationen Arbeitsorganisation (ILO) besagen, dass er mehr denn je boomt. Menschenhandel ist in der Tat ein industrialisiertes Verbrechen, eine globale, oft übersehene Tragödie, die heute jeden Kontinent betrifft. Jährlich werden sozusagen im Windschatten der Globalisierung mehr als 2,4 Millionen Menschen wie Ware gehandelt, müssen die schlimmsten Formen wirtschaftlicher Ausbeutung erfahren und brutalste Verletzungen ihrer Menschenrechte hinnehmen. Die Gewinne aus dem Menschenhandel werden weltweit auf jährlich 32 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Eigentlich denkt man beim Begriff „Menschenhandel“ an 400 Jahre transatlantischen Sklavenhandel, als etwa zwölf Millionen Afrikaner unter schlimmsten Bedingungen nach Amerika verschifft wurden. Aber – es ist weniger im Bewusstsein – in den vergangenen 30 Jahren wurden allein in Südostasien rund 30 Millionen Frauen und Kinder Opfer von Menschenhändlern. Seit Mitte der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hat sich der weltweite Menschenhandel, „human trafficking“ genannt, mehr als vervierfacht. Nach Untersuchungen von Europol galt und gilt er als das Verbrechen mit der höchsten Zuwachsrate. Im Sinne von Gewinnen gilt das Geschäft mit der „Handelsware“ Mensch als drittwichtigste Einkommensquelle nach dem Drogen- und Waffenhandel. Ob Arbeits- oder Sex-Sklaven, ob Menschen zur Organentnahme, zur Zwangsheirat oder Adoption: Wer zahlt, dem wird geliefert. Menschenhandel betrifft Menschen jeden Alters, jeden Geschlechts und nahezu jeder ethnischen Herkunft. Frauen und Kinder sind allerdings am meisten betroffen.

Foto: CC BY 2.0, Imagens Evangelicas

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