Hillary for President

Für die Deutschen ist die Außenpolitik im Moment, nach der Sozialen Gerechtigkeit, das wichtigste Thema. Sie sind desillusioniert von Barack Obama und setzen in seine mutmaßliche Nachfolgerin Hillary Clinton. Das ist das Ergebnis einer von Aurelia Weickart initiierten und ausgewerteten Befragung im Rahmen des INSA-Meinungstrends.

Noch klarer ist die Zustimmung zu der These, dass man es gut findet, wenn Frau Clinton Präsidentschaftskandidatin wird. Vergleichbar viele bejahen, dass eine Präsidentin Clinton gut für die deutsch-amerikanische Freundschaft wäre.

Dem deutsch-amerikanischen Verhältnis könnte das nur guttun. Nach der großen Euphorie über Präsident Barack Obama sind die Deutschen sehr skeptisch geworden. Eine knappe Mehrheit meinte Ende August 2014 sogar, dass sich das deutsch-amerikanische Verhältnis unter dem ersten schwarzen Präsidenten der Vereinigten Staaten verschlechtert habe.

Aufschlussreich ist die Auswertung der Befragung: Vor allem Ältere, Gebildete, Bezieher unterer und mittlerer Einkommen sowie die Wähler der im Bundestag vertretenen Parteien setzen auf die frühere First Lady als Nachfolgerin Obamas.

Aurelia Weickart hat auch festgestellt, dass Frauen – wie auch oft sonst bei politischen Themen – vorsichtiger dabei sind, sich festzulegen. Diejenigen, die sich aber eine Meinung gebildet haben, sind mindestens so stark von Frau Clinton überzeugt wie die Männer, manchmal sogar noch etwas deutlicher, z. B. bei der Erwartung, dass eine Präsidentin Clinton gut wäre für die deutsch-amerikanische Freundschaft.

Aurelia Weickart von INSA erklärt: „Die Deutschen würden jetzt Hillary Clinton als Präsidentin wählen und sie sind überzeugt davon, dass das gut für die deutsch-amerikanische Beziehungen wäre.“

Die Ergebnisses der Meinungsumfrage im Überblick:

1. Drei von fünf Deutschen, die sich eine Meinung zu einer Präsidentschaftskandidatur von Frau Clinton machen, fänden es gut, wenn sie Kandidatin würde.

2. Noch klarer ist die Zustimmung der Deutschen, dass eine Präsidentin Clinton gut für die Entwicklung der deutsch-amerikanischen Freundschaft wäre. Dies ist umso bemerkenswerter, weil in derselben Umfrage eine knappe Mehrheit der Deutschen sogar meint, dass sich das deutsch-amerikanische Verhältnis unter der Präsidentschaft von Barack Obama verschlechtert habe.

3. Sehr überraschend ist, dass Frau Clinton eine große Unterstützung von Anhängern der Regierungsparteien (CDU/CSU und SPD) und erstaunlicherweise auch der Anhänger der oppositionellen Grünen und Linken erhält. Dieser hohe Zuspruch (trotz der eigentlich amerikakritischen und russlandfreundlichen SED-Nachfolgepartei „Die Linke“) unterstreicht, dass in den Augen der deutschen Bevölkerung Frau Clinton eine Integrationsfigur darstellt, welche die unterschiedlichen politischen Lager überbrückt.

4. Die oft vertretene Meinung, dass Hillary Clinton vor allem Sympathien und Unterstützung der weiblichen Bevölkerung genießt, deckt sich nicht mit der hiesigen Stimmung. Der Zuspruch ist bei Männern und Frauen überraschenderweise nahezu gleich hoch.

5. In letzter Zeit wird gerade in den USA die Frage diskutiert, ob die Familie Clinton, die wegen ihres hohen Vermögens als „reich“ anzusehen und zu den vermögenden „1 Prozent“ zu zählen sei, bei unteren und mittleren Einkommen überhaupt Anklang finden könne. Die deutsche Bevölkerung sieht das ganz anders. Gerade die Bezieher unterer und mittlerer Einkommen würden auf Hillary Clinton als Präsidentin setzen, wogegen die Befragten mit hohem Haushaltseinkommen eine kritischere Haltung einnehmen, wahrscheinlich weil Frau Clinton in deren Augen als zu „links“ erscheint.

6. Die Zustimmung zu Frau Clinton ist altersabhängig. Je älter die Befragten sind, desto höher ist die Zustimmung.

Autor: Hermann Binkert, 49 Jahre, Erfurt, geschäftsführender Gesellschafter des Markt- und Sozialforschungsinstituts INSA-CONSULERE, Staatssekretär a. D.

Titelfoto: EU AV Service

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