Italiens Präsident: Der unbekannte Saubermann

Francesco Totti ist ein in ganz Italien beliebter Fußballstar. Bei der Wahl zum neuen italienischen Staatspräsidenten am letzten Januarwochenende 2015 erhielt er im dritten Wahlgang, obwohl gar nicht nominiert, fünf Stimmen. Auch ein Sieg hätte ihm nicht genutzt, denn der Kapitän von AS Roma ist „erst“ 35 Jahre alt. Und um Präsident der Republik zu werden, muss man 50 Jahre vollendet haben. Das schaffte, im vierten Wahlgang, ein weithin unbekannter Saubermann aus Sizilien. Neuer Staatspräsident in der Nachfolge des hoch geachteten Giorgio Napolitano ist für die nächsten sieben Jahre der 73 Jahre alte Verfassungsrichter Sergio Mattarella.

Den hatte der sozialdemokratische Ministerpräsident Matteo Renzi in letzter Minute aus dem Hut gezaubert. Diese Wahl war ein kühl kalkulierter Schachzug im römischen Polit-Theater. Der Regierungschef präsentierte einen linken Christdemokraten, der aus dem italienischen Polit-Schachspiel seit 25 Jahren weitgehend raus ist, der im Jahr 1990 als Verteidigungsminister zurücktrat, weil die damalige christdemokratische Regierung unter Giulio Andreotti Silvio Berlusconis TV-Imperium legalisieren wollte. Den Juristen nun präsentierte Renzi, weil er damit bei der Wahl auch in christdemokratischen Gewässern „fischen“ konnte, um zugleich nach außen den Beweis zu erbringen, er sei von Mattarella-Gegner Berlusconi unabhängig. Denn der hatte den ehemaligen Ministerpräsidenten Giulio Amato favorisiert. Einen gelernten Sozialisten; aber dem traut Renzi nicht über den Weg, den wollte er ausbremsen, der hätte ihm im künftigen politischen Geschäft unbequem werden können..

Mit Sergio Mattarella haben die Italiener nun einen Staatspräsidenten, der „vom politischen Altenheim in den Präsidentenpalast gehievt worden ist“, wie Beobachter sagen. Mattarella wird beschrieben als eine Kombination aus Schweizer Biederkeit und deutschem Fleiß. Im Jahr 2011 wurde er ins politische Altersheim für verdiente Juristen berufen. – Das ist das Verfassungsgericht. Jetzt ist er oberster Repräsentant des Staates, gewählt im vierten Wahlgang mit absoluter Mehrheit. Vorher hatte es in einer besonderen Art der Politposse drei Wahlgänge gegeben, in der die großen Parteien weiße Stimmzettel abgegeben hatten. Sie wussten, dass zunächst kein Kandidat die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit hätte erhalten können.

Der neue Präsident mag in Italien insgesamt weithin unbekannt sein; in Sizilien sind sie stolz. In Palermo wurde er am 23. Juli 1941 geboren; Der Vater war ein einflussreicher christdemokratischer Abgeordneter und Minister. Im Elternhaus ging ein gewisser Giovanni Battista Montini ein und aus, später besser bekannt als Papst Paul VI. Mattarellas älterer Bruder war Präsident der Region Sizilien; er wurde im Januar 1980 von der Mafia ermordet. Das war für den neuen Präsidenten Anstoß, seine Universitätslaufbahn abzubrechen und in die Politik zu gehen. Immerhin, das ist bis heute seine Devise: „Gegen die Mafia, für das Gesetz“. Insgesamt – man kann ihn honorig nennen.

Foto: Eric Bauer, CC BY-SA 2.0

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