Martin Schulz erhält Karlspreis

Der Bundesaußenminister gehörte zu den ersten, die gratulierten. Frank-Walter Steinmeier schrieb seinem Parteifreund Martin Schulz: „In einer Zeit, in der das Friedensprojekt der Europäischen Union immer öfter in Frage gestellt wird, brauchen wir Menschen wie Martin Schulz, die entschlossen für ein Europa des Dialogs und der Verständigung werben – nach innen und nach außen“. Das war das bündige und treffende Echo auf die Mitteilung, dass der deutsche EU-Parlamentspräsident den Internationalen Karlspreis 2015 erhält. Er wird am Himmelfahrtstag verliehen.

Was Steinmeier gesagt hat, das steht sinnbildlich auch in der Laudatio des Kuratoriums zur Verleihung des Aachener Karlspreises: „In Würdigung seiner bedeutenden Verdienste um eine Stärkung der Parlamentarisierung und der demokratischen Legitimation in der Europäischen Union und in Anerkennung seiner Rolle als wichtiger Vordenker der EU“ ehrt die Gesellschaft diesen wahrhaft europäischen Politiker, „den herausragenden Repräsentanten für die Belebung der europäischen Demokratie“. Dabei sind die Aachener in ihrer Würdigung auch ganz konkret geworden. Sie loben dezidiert den SPD-Politiker für seinen Vorstoß, bei der Europawahl 2014 europaweite Spitzenkandidaten europäischer Parteien aufzustellen. Dies sei ein wichtiger Baustein für einen Neustart der europäischen Demokratie gewesen.

Der jetzt 58 Jahre alte Martin Schulz ist seit Anfang 2012 EU-Parlamentspräsident; im Juli 2014 wurde er für weitere zweieinhalb Jahre im Amt bestätigt. Es allerdings kein Zweifel: bei der Europawahl im Mai 2014 hegte der SPD-Politiker Ambitionen für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten. Er musste indessen – es war dem Wahlergebnis geschuldet – dem früheren Luxemburger Ministerpräsidenten Jean-Claude Juncker den Vortritt lassen.

Schulz ist am 20. Dezember 1955 in der Gemeinde Hehlrath, die heute zur Stadt Eschweiler gehört, geboren worden. Er machte nach der Mittleren Reife eine Ausbildung zum Buchhändler und betrieb von 1982 bis 1994 eine eigene Buchhandlung in Würselen, deren Bürgermeister der Sozialdemokrat von 1987 bis 1998 war. Das Mitglied in Vorstand und Präsidium der SPD gehört dem Europäischen Parlament seit 1994 an. Dort war er zuletzt auch Vorsitzender der Sozialdemokratischen Fraktion.

Der Fußballfan steht als 57. Karlspreisträger in der Nachfolge der deutschen Politiker Konrad Adenauer, Walter Scheel oder Angela Merkel. Auch US-Präsident Bill Clinton und Papst Johannes Paul II. sind mit diesem Preis ausgezeichnet worden. Insgesamt jedoch bleibt sich das Karlspreis-Direktorium mit der Auszeichnung an Schulz treu: Erst im vergangenen Jahr war mit dem damaligen EU-Ratspräsidenten Herman Von Rompuy ein weiterer Vertreter einer EU-Institution gewürdigt worden. So wie es das Direktorium zum Abschluss seiner jetzigen Würdigung geschrieben hat: „Schulz hat der europäischen Idee einen wichtigen Impuls verliehen. Es gilt, diese Idee auch für die Zukunft zu stärken“.

Der Karlspreis wird seit 1950 verliehen; er ist mit 5000 Euro dotiert.

Foto: martin-schulz.info

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